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Erhaltung seltener Haustierrassen


Die Nutztierrassen auf unserem Bauernhof werden teilweise seit Jahrhunderten auf Bauernhöfen gehalten. Sie haben unsere Landschaft und unser Leben geprägt und sind hervorragend an die regionalen Bedingungen angepaßt. 

Sie sind robust, anspruchslos und winterhart. Ihre Vielfalt sollte im Zuge der heutigen Zucht von wenigen einheitlichen Hochleistungsrassen nicht verloren gehen. 

Alte Haustierrassen stellen ein wertvolles Kulturerbe dar. Ihre vielseitigen Erbanlagen bilden ein wichtiges Potential für die Haustierzucht. Sie sind Basis für eine tierfreundliche und umweltgerechte Landwirtschaft und bereichern das Landschaftsbild. 

Wer diese Erkenntnisse ernst nimmt , kommt automatisch dazu in der Biolandwirtschaft alte Haustierrassen zu halten und zu züchten. Auf unserem Bauernhof sind folgende alte und seltene Rassen beheimatet:

 


 

Deutsches Shorthorn

Diese älteste deutsche Fleischrinderrasse wurde ursprünglich vor etwa 200 Jahren in England gezüchtet. In Deutschland ist diese ruhige und genügsame Rasse seit 150 Jahren, insbesondere auf der Halbinsel Eiderstedt, beheimatet. Vorzüge der Rasse sind auch die Fleischqualität, geringes Geburtsgewicht der Kälber, Witterungsbeständigkeit und ihr angenehmes Wesen. 

Heute werden die Shorthorn auch hornlos gezüchtet. Die Rasse gibt es in 3 Farbvarianten: rot, weiß und schimmelfarben. Die Schimmelfarbe trifft man bei anderen Rinderrassen in Europa nicht an. 1915 gab es in Deutschland 12000 eingetragene Tiere, heute stehen etwa 350 im Herdbuch, wobei seit 1994 vermehrt Zuchttiere aus Kanada eingeführt werden, die nicht dem alten Deutschen Shorthorn entsprechen. Man kann davon ausgehen, dass es heute nicht mehr als hundert Deutsche Shorthorn gibt. Im Jahre 2001 wurde auch das Zuchtziel verändert. Die Geburts- und Endgewichte wurden angehoben und fleckige Tiere zugelassen. 

In der langen Entwicklungsgeschichte der Rasse wurden besonders in England auch Tiere mit höherer Milchleistung gezüchtet.

 


 

 

Angler Sattelschwein 

Auch der Ursprung des Sattelschweins ist in England zu suchen. Von dort kamen 1926 die ersten Schweine nach Schleswig-Holstein. Diese ähnelten der heimischen Rasse, waren aber schnellwüchsiger und bekamen mehr Ferkel. Eine organisierte Zucht gibt es ab 1929. 

1952 war der Höhepunkt der Verbreitung. Danach verlor das Sattelschwein wegen veränderten Mastansprüchen, (höherer Fleischanteil und geringere Fettauflage) kontinuierlich an Bedeutung. Anfang der 90er Jahre war die Zucht fast völlig zum Erliegen gekommen. Engagierte Züchter konnten jedoch 1992 Sattelschweine aus einer LPG in Sachsen erwerben, die dort als Genreserven gehalten wurden. Diese Blutauffrischung und die Gründung des Fördervereins Angler Sattelschwein haben die Zucht wieder aufleben lassen. 

Inzwischen gibt es fast 30 Züchter mit etwa 70 Sauen und 13 Ebern in Schleswig- Holstein. Etwa der gleiche Bestand ist auch in Sachsen anzutreffen, der dort als Deutsches Sattelschwein bezeichnet wird. 

Die Vorzüge der Rasse sind das geringe Geburtsgewicht der Ferkel, gute Muttereigenschaften, hohe Aufzuchtleistung, Winterhärte, Stressbeständigkeit und ein sehr schmackhaftes Fleisch. Schon seit 1994 haben wir uns der Sattelschweinzucht verschrieben. Ein Eber aus Westfalen und zwei Sauferkel von Pellworm, die sächsischer Zucht abstammen, waren unsere ersten Zuchttiere.

Nähere Informationen erhalten Sie auch über den folgenden Link vom 

Förderverein Sattelschwein e.V.    —>   www.angler-sattelschweine.de   <—


 

Diepholzer Gans 

Die Diepholzer Gans entstand als Landrasse um1880 im Bereich um Diepholz. Sie ist hervorragend an die moorigen Weiden mit ihren Süß- und Sauergräsern angepaßt.

Die Gans ist ein ausgesprochenes Weidetier mit munterem Wesen. Sie hat einen ausgeprägten Bruttrieb und führt ihre Gössel selbst.

Als besonderes Kennzeichen ist noch die hervorragende Fleischfülle zu nennen.  

Die Diepholzer Gans wird im Herdbuch geführt. 

 


 

Belgisches Bartkaninchen 

Das Bartkaninchen ist eine alte, äußerst seltene Rasse aus dem flämischen Teil Belgiens. Wie viele Landschlagrassen sind auch Bartkaninchen nicht mehr mit einem typischen Rassestandard beschrieben. Nur noch eine Handvoll Züchter bemüht sich, diese attraktiven Tiere als Rasse zu erhalten. 1993 kamen erstmals Bartkaninchen nach Deutschland. Wegen erhöhter Inzuchtprobleme entschloß man sich Anfang 2000, Graue Wiener in den Bestand einzukreuzen, um einen Zusammenbruch der Rasse zu vermeiden. Nach planmäßiger Zuchtstabilisierung und der Gründung eines Zuchtverbandes wurde das Bartkaninchen 2004 vom Deutschen Kaninchenzuchtverband als Rasse anerkannt.

 


 

Thüringerwald Ziege 

Durch Einkreuzung der Thüringer Landziegen mit Toggenburger Ziegen entstand nach 1900 die Thüringerwald Ziege. Sie hat gute Milchleistungen mit 800- 900 kg und 3,8% Fett. Bei uns hält sich Marika auf, ein Einzeltier bei den Schafen. Sie pflegt die Weideflächen, indem sie unliebsamen Ampfer und Disteln wegfrißt.

 


 

Ostfriesisches Milchschaf 

Schon im Mittelalter war das Milchschaf bekannt. Bei sehr guter Milchleistung und gut zu verspinnender Wolle erfreut es sich großer Beliebtheit bei Kleintierhaltern.

Da es meist in kleinen Gruppen gehalten wird, gibt es viele Vatertiere. Damit ist eine Bestandsbedrohung ausgeschlossen. 

Milchschafe gibt es in weiß und schwarz.


 

Rauhwolliges Pommersches Landschaf

Diese Schafrasse ist eine alte Landrasse aus Mecklenburg- Vorpommern, die auch für eine Einzelhaltung geeignet ist.

Die schöne graue Wolle läßt sich gut filzen und so für eine Selbstverarbeitung verwerten.

 


 

Vorwerk Hühner 

Das Vorwerkhuhn wurde um die Jahrhundertwende nach vorgefaßtem Plan von Oskar Vorwerk gezüchtet. 

Nach dem Zeichnungsvorbild der Lakenfelder und der Farbe der gelben Ramelsloher und Orpington entstand das Vorwerkhuhn. Als Zweinutzungsrasse entsprach es vor 100 Jahren den Bedürfnissen der Hühnerhalter. 

Im Wesen ist das Vorwerkhuhn gutmütig, lebhaft aber nicht scheu. Das etwa 2,5 kg schwere Huhn ist wetterhart, frühreif, hat einen geringen Bruttrieb, gilt als Nichtflieger und ist ein guter Futtersucher. Die Hähne vertragen sich recht gut untereinander. 

Das Vorwerkhuhn gilt als erhaltenswerte Rasse, deren Erbanlagen z.B. für die Biolandwirtschaft zukünftig wertvoll sein könnten.

Diese Überlegung veranlaßte Züchter und Fachleute, ein Modellprojekt zur Schaffung von Erhaltungszuchten seltener Geflügelrassen zu etablieren. So wurde Anfang 1999 der Erhaltungszuchtring-Vorwerkhuhn gegründet.

In dieser geschlossenen Zuchtgemeinschaft können ursprüngliche Erbanlagen erhalten werden, da das Einkreuzen anderer Rassen ausgeschlossen ist. Die Inzucht wird durch planmäßige Weitergabe von Hähnen minimiert. Eigröße, Legeleistung und Entwicklung können beobachtet und so, durch gezielte Auslese, verbessert werden. Natürlich wird auch der Rassestandard beachtet.

Ein so attraktives Huhn soll auch der Goldvogel unter den Hühnern bleiben. 

Ins Leben gerufen haben den Zuchtring : 

Dr. Steffen-Weigend, Institut für Tierzucht und Tierverhalten Mariensee (FAL) 

Dr. Jürgen Güntherschulze, Haustierschutzpark Warder 

Fritz G. Röhrßen, Arche- Hof Öko-Noah in Worpswede 

Dr. Elmar Titze, Sonderverein des Vorwerkhuhnes im Bund Deutscher Rasse-Geflügelzüchter 

Wer sich als Züchter engagieren und Kontakt zu anderen Interessierten haben möchte kann sich bei www.vieh-ev.de registrieren lassen oder Anzeigen zum Kauf und Verkauf von seltenen Haustierrassen veröffentlichen.

Die Rote Liste bedrohter Haustierrassen und weitere Rasseinformationen sind bei der www.g-e-h.de veröffentlicht.